Frankreich 2002
DVD 90min
Alpha60 Regisseure A-Z
5 Punkte von Lars Tuncay:
Es ist die Sehnsucht nach einem anderen Leben, die die beiden Männer verspüren, als sie einander in dem verschlafenen französischen Ferienort über den Weg laufen. Sie sind alt und beginnen sich zu fragen, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie eine andere Richtung eingeschlagen hätten. Der pensionierte, redselige Lehrer Manesquier (Jean Rochefort) blickt zynisch auf sein kleinbürgerliches Leben zurück und beneidet den rastlosen Milan (Johnny Hallyday) um seinen draufgängerischen Lebensstil, seine Lederjacke, die Pistolen in seinem Gepäck. Der schweigsame Gangster wiederum sehnt sich nach einem Zuhause, nach Pantoffeln und Pfeife. Gemeinsam verbringen sie ein paar Tage in der Villa Monesquiers, an deren Ende eine Operation und ein Überfall stehen.
„Das zweite Leben des Monsieur Manesquier“ ist Altherrenkino im besten Sinne. Der 58jährige Regie-Altmeister Patrice Leconte („Intime Geständnisse“) vertraut voll und ganz auf seine beiden großartigen Hauptdarsteller. Vor allem dem ehemaligen französischen Popstar Hallyday steht die cowboyhafte Schweigsamkeit gut zu Gesicht, das sich sichtlich gealtert immer noch durch seine stahlblauen Augen auszeichnet. Sein reduziertes Spiel und Rocheforts Elan machen den bereits vor drei Jahren gedrehten Film zu einem charmanten Kleinod französichen Gourmetkinos, das nun endlich auch unsere Leinwände erreicht.
5 Punkte von T- Bone Steak:
Ein französischer Film, ein Kammerspiel zumal, beginnt tatsächlich wie ein Western: Ein Mann kommt in eine kleine Stadt. Und schon daran, wie er aus dem Zug steigt, merkt man, dass er nicht hier her gehört.
Milan ist der Name des Fremden, und gespielt wird er von Johnny Hallyday. Und wie der schon in den ersten Einstellungen des Films in Szene gesetzt wird, ist einfach wunderbar. Ein zerfurchtes, verlebtes Männergesicht und darin diese Augen. Da muss kein Wort gesprochen werden, da reicht die kleine Geste, der schnelle, wache Blick- Milan ist ein Ganove.
Patrice Leconte ist der Melancholiker unter den französischen Filmemachern. Es ist 15 Jahre her, da verzauberte er mit seinem schönen Liebesfilm DER MANN DER FRISEUSE. Damals spielte Jean Rochefort die Hauptrolle. Jetzt ist Rochefort Moniseur Manesquier. Der pensionierte Lehrer, der zurückgezogen in seinem Haus lebt. Und der auf Milan trifft. Der Beginn einer kuriosen Freundschaft. Einer Freundschaft freilich, der keine Zukunft beschieden ist.
Rochefort und Hallyday unter der Regie von Leconte- dabei herausgekommen ist ein filmisches Kleinod. Ein Meisterstück des leisen Erzählens. Zwei Männer, die feststellen, dass sie jeweils gerne das Leben des anderen geführt hätten. Dafür findet Laconte zärtliche und amüsante Szenen. Wenn Milan zum erstem mal im Leben Plüschpantoffeln anzieht, oder Moniseur Manesquier in Cowboy- Pose Schießen übt, ist das so witzig wie traurig. Man möchte den beiden ewig zuschauen. So charismatisch, so in sich ruhend, wie sie agieren. (Interessant ist noch, das der deutsche Verleihtitel den Focus auf den Lehrer lenkt- im Gegensatz zum Original. Warum? Na, was weiß denn ich.)




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