Alpha60 Regisseure A-Z
5 Punkte von Lars Tuncay:
„Bin-Jip“ ist nicht weniger als ein Meisterwerk und Kim Ki-duks bester Film. Soviel sei vorab gesagt. Vor allem ist der 11. aber sein Zugänglichster und Zärtlichster. Liebesfilme waren sie mehr oder weniger alle, nur rückt die Liebe mit jedem Film in den Vordergrund und die Gewalt in ihr verliert an Gewicht. Hart geht es aber wahrlich auch hier zu. Die Geschichte des Draufgängers Taek-suk, der in fremde Häuser einbricht, sich in Abwesenheit der Bewohner dort breit macht und Spuren hinterlässt, erfährt erste Gewalteinwirkung, als er von der hübschen Sun-hwa entdeckt wird und sie aus den Fängen ihres brutalen Ehemannes befreit. Fortan gehen die beiden gemeinsam dem seltsamen Hobby Taek-suks nach. Doch als sie schließlich im Gefängnis landen, will sich der gehörnte Ehemann rächen und seine Leidenschaft für Golf spielt dabei eine schmerzhafte Nebenrolle.
Mit wenigen Dialogen – der Hauptdarsteller spricht den ganzen Film über kein einziges Wort und seine Angebetete sagt lediglich „Ich liebe dich“ – und wunderschönen, ausdrucksstarken Szenen erzählt Ki-Duk („Frühling, Sommer, Herbst, Winter...und Frühling“) auf ruhige, eindringliche Art und Weise eine Geschichte von wahrer Liebe. Sein Protagonist überrascht dabei immer wieder mit neuen Ideen, sich an die Gegebenheiten anzupassen. Seine Transformation zum lautlosen Schatten ist schließlich die geniale Krönung einer spannenden und schmerzhaften Suche nach Halt, die schließlich in der Liebe endet. Ein wirklich meisterhaftes Werk des asiatischen Kinos, das sich einmal mehr als das derzeit Interessanteste in den Lichtspielhäusern behauptet.
3 Punkte von Björn Siebert:
Tja und der angebliche Kniff, das der Film ohne Worte auskommen würde ist hier die Achillesferse. Die Frage steht doch dadurch die ganze Zeit im Raum. Warum redet hier niemand? Kann er nicht? Ist er Stumm? Und sie? Sie kann ja reden, sagt am Ende "Ich lieb dich", also was soll das mit dem nicht sprechen, zusätzlicher Schnickschnack, hätte Kim Ki-Duk besser auf seine Inszenierung geachtet, denn der Film wirkt seltsam kraftlos, unentschlossen zwischen profaner Liebesgeschichte und Entrücktheit, aber gerade diese besonderen Einfälle (Wie z.B.: Der Hauptdarsteller lernt sich unsichtbar zu machen) wirken so unglaublich unglaubwürdig, so konstruiert und ohne doppelten Boden, dahingeworfen und irgendwie wie asiatische Folklore, so wie die Musik Folklore ist und dabei wirklich richtig schlecht. Wird seinen Vorschusslorbeeren nicht gerecht.




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