5 Punkte von plug:
Der Titel selbst ist schon bedeutungsschwanger, so ist doch das „Inland Empire“ die Bezeichnung für die trockenen Gebiete um das San Bernadino Valley im südlichen Kalifornien, in denen die ältesten Städte des Staates liegen und einstmals nach Vertreibung der Ureinwohner Amerikas, Orangenhaine blühten. Durch die ehemalige (Migranten)-Route 66 und der Bedeutung als eine der ältesten Siedlung im Landesinneren, kann hier von der Vorzeigeregion und dem Herz Amerikas schlechthin gesprochen werden. Es verkörpert Werte der Freiheit und des Strebens nach dem American Way of Life, dessen Bigotterie Lynch mit seinen Filmen immer versucht offen zu legen.
Wie schon in „Wild at Heart“ spielt Laura Dern die Hauptrolle, diesmal der Schauspielerin Nikki Grace, die versucht in Hollywood ein Comeback zu starten. Während der Dreharbeiten findet sie heraus, dass der Film schon einmal in Polen gedreht wurde, jedoch beide Hauptdarsteller ermordet wurden und somit nie vollendet wurde. Von nun an verschieben sich Traum, Wahn und Realität und das Mysterium beginnt sich auszudehnen, als Nikki auf Susan Blue trifft, ihr Alter Ego oder ein Zweites Ich. Lynch selbst genügt hier zur inhaltlichen Raffung der Beisatz „a woman in trouble“.
Die Musik steuerte Lynchs Haus- und Hofkomponist Angelo Badalamenti bei, der ein Brummen und Rauschen zelebriert, sodass sich die Nackenhaare vor Spannung aufstellen.
Neben den Menschen in Hasenkostümen aus der, von Lynch offizieller Site www.davidlynch.com gezeigten, Serie „Dumblands“, denen anscheinend Laura Harring und Naomi Watts ihre Stimmen geliehen haben, finden sich andere bekannte Symbole aus Lynch Filmen. Der „Pink Room“ eine Art verdinglichtes Panikzentrum des Menschen, oder die generelle Auseinandersetzung mit dem Thema Identität und Identitätsspaltung sowie Traum und Wirklichkeit, welche schon in „Lost Highway“(1996) mit der nichtlinearen Erzählweise auf die Spitze getrieben wurde. Wie schon in „Mulholland Drive“ dreht sich auch hier die Handlung um die Oberflächlichkeit und Scheinwelt Hollywoods und der Filmindustrie.
5 Punkte von Lars Tuncay:
Ein neuer Film von David Lynch wirft einen jedes Mal aus der Bahn. Sein Ansatz, die Grenzen des konventionellen Kinos zu überschreiten, fasziniert und verstört gleichermaßen. Mit keinem seiner bisherigen Werke ist er diesem Ziel so nahe gekommen, wie mit „Inland Empire“. Lynch bedient sich der digitalen Aufnahmetechnologie und gewinnt … dadurch spürbar die Freiheit Dinge zu probieren, die so auf einer Leinwand noch nicht zu sehen waren. So stellt sein zehnter Film auch eine Rückbesinnung auf die experimentellen Frühwerke dar. Für manch Einen mag das dreistündige Werk dadurch unrezipierbar sein. Andere sehen es als Geniestreich eines Querkopfs und bisherige Krone der Schöpfung David Lynchs. Wie gewohnt ist eine Handlung nur marginal und anfänglich vorhanden. Lynchs blonde Muse Lara Dern verkörpert die wohlhabende Schauspielerin Nikki Grace, die gerade mit ihrem Mann in ein herrschaftliches Anwesen gezogen ist, als sie Besuch von einer Nachbarin erhält. Die seltsame alte Frau prophezeit ihr Verderben, der Beginn einer verstörenden Odyssee, die Nikki vom Set ihres neues Films durch einen albtraumhaften Irrgarten aus Realität und Fiktion, Wahn und Wirklichkeit führt. Solange Dern dabei ein großes Fragezeichen auf der in Falten gelegten Stirn vor sich herträgt, sind wir uns immerhin sicher, mit unserer Ratlosigkeit nicht allein zu sein. Wenn dann noch eine Familie in Hasenkostümen in immer wiederkehrenden Ausschnitten aus Lynchs Mini- Serie „Rabbits“ den Alltag nachspielt, bügelt, liest und Unverständliches redet, was mit Gelächter und Applaus aus der Dose kommentiert wird, verschweigen die Fragen nach dem „Warum?“ endgültig, und wir begeben uns gleichmütig in die Hände des Wahnsinns.




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